Über Träume von niedrig strukturierten Patient:innen liegen vergleichsweise wenig wissenschaftliche Arbeiten vor. Nichtsdestoweniger haben Autor:innen immer wieder auf die bedeutsame Unterscheidung von „klassisch“ neurotischen Träumen und niedrig strukturierten Träumen hingewiesen. Dies gilt vor allem für den klinischen Umgang und den Inhalt, weniger hinsichtlich der Affektregulation innerhalb der Träume. Darüber hinaus ist ein psychoanalytisches Störungsverständnis von Borderline-Persönlichkeitsorganisation typischerweise mit traumatisierenden Objektbeziehungen und beeinträchtigter Affektregulation assoziiert. An der Schnittstelle von empirischer Traum- und Psychotherapie-Prozessforschung untersucht diese Studie deshalb a) Unterscheidet sich die Affektregulierung innerhalb der Träume von Patient:innen mit Borderline- von solchen mit neurotischer Persönlichkeitsorganisation? Und b) Verändern sich die Träume über den Therapieprozess hinweg? Der Forschung bietet sich hier eine spannende Parallele zwischen der Re-Inszenierung früher komplexhafter Beziehungserfahrungen im interaktiven psychotherapeutischen Geschehen einerseits und der Mikrowelt Traum (Moser & Hortig, 2019) anderseits.
Art der Veranstaltung:
Vortrag
Datum / Uhrzeit:
Mittwoch, 05.06.2024 um 20:00 Uhr
Ort:
PaIB/ IfP Berlin,
Hauptstraße 19,
10827 Berlin-Schöneberg
Anmeldung über:
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Online Vortrag
Abstract
In den Träumen unserer Zeitgenossen klingen Motive und Bilder aus dem kollektiven Unbewussten an, die uns dabei helfen können, den tieferen Ursachen und Zusammenhängen des Zeitgeschehens- von der Corona-Pandemie bis zum Ukraine Krieg- nach zu gehen, vor allem aber dem, was diese Ereignisse mit uns und mit unseren Zeitgenossen anstellen, auch um es einer Bewältigung zugänglicher zu machen.
Dazu gibt es den Traumtypus, der mithilfe der transzendenten Funktion den wachgewordenen Ängsten auch klärende, ordnende Aspekte gegenüberstellt, eben therapeutische Aspekte aus größerer unbewusster Tiefe. Anhand von Traumbeispielen unserer Zeitgenossen möchte ich sowohl die aufgebrochenen Ängste wie auch die auffangenden und verwandelnden Kräfte beleuchten, um sie zur Diskussion zu stellen.
Im Anschluss an den Vortrag wird es Gelegenheiten geben Fragen zu stellen und in einen gemeinsamen Austausch zu diesem Thema zu kommen.
Anmeldung über die Seite der DGAP:
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Vita
Ingrid Riedel, Prof. Dr. Phil., Dr. theol., ist Lehranalytikerin und Supervisorin am C.G. Jung-Institut Zürich. Sie hatte eine Honorarprofessur für Religionspsychologie an der Universität Frankfurt/ Main inne und war langjährige wissenschaftliche Leiterin der IGT. Zahlreiche Veröffentlichungen, vor allem in den Bereichen Träume und Symbole, Imagination und Maltherapie.