als Begleiterscheinungen von gesellschaftlichen Transformationsprozessen in unseren psychoanalytischen Behandlungen
Im Vortrag wird den Ursachen und dem Verdrängten, die das wiedervereinigte Deutschland für viele Menschen im Osten, aber auch im Westen mit sich brachte nachgegangen. Über die Auswirkungen der Transformationszeit der 90er Jahre im Osten Deutschlands wird oft geschwiegen. Das hat bei vielen Menschen, die im Osten geboren wurden, ein Gefühl der Scham, Ostdeutsche zu sein, zurückgelassen. Um die unzähligen Wunden zu heilen, die das Ende der DDR mit dem Untergang des eigenen bisherigen Lebens mit sich gebracht hat, blieb individuell und gesellschaftlich kaum Zeit. Stattdessen haben sich Neid und Ressentiments im Lauf der letzten Jahre verstärkt, was zum Erstarken extremistischer Parteien geführt hat. An Hand eines Fallbeispiels wird im Vortrag deutlich, wie sich diese gesellschaftlichen Entwicklungen auch in psychoanalytischen Behandlungen wiederfinden und nicht unabhängig von unserer historischen Entwicklung gesehen werden können.
Maria Johne ist Diplompsychologin und als Psychoanalytikerin, Kinder- und Jugendlichenanalytikerin und Gruppenanalytikerin niedergelassen in eigener Praxis in Leipzig. Sie ist als Lehr- und Kontrollanalytikerin der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) tätig. Von 2017-2019 war sie Vorsitzende der DPV. Seit 2021 ist sie Vorsitzende der Stiftung der DPV und seit 2024 stellv. Vorsitzende des Therese-Benedek-Institutes in Leipzig. Forschungsschwerpunkte: Psychoanalyse und Politik, sowie transgenerationale Traumatisierungen in Folge der NS-Diktatur und der kommunistischen Diktatur in der DDR
Moderation
Inge Kley
Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion
Anmeldung:
nicht erforderlich
Zertifizierung beantragt. Kostenfrei.
Ort:
Helgoländer Ufer 5,
10557 Berlin Tiergarten
Assoziationen zu Deutschland 36 Jahre nach der Vereinigung
Anhand von Assoziationen zu einem Ost/West-Traum der Autorin werden verschiedene Facetten des gegenwärtigen Standes der deutschen Vereinigung aufgeblättert. Die unterschiedlichen Alltagskulturen beider Seiten, die ab 1989 aufeinandertrafen, werden in ihrer Entwicklung angesehen. Dabei wird besonders auf die Verschiedenheit der Biographien der 68er Generation in Ost und West eingegangen. Des Weiteren wird die Trauer über den Verlust der DDR beschrieben als eine Trauer über den Verlust einer zwiespältigen Heimat und von Utopie, aber auch als eine Trauer über nichtgelebte Möglichkeiten. Hat die Westseite auch etwas zu betrauern?
Diplom-Psychologin, Psychoanalytikerin, in den 70er und 80er Jahren Mitglied verschiedener oppositioneller Gruppen in der DDR, 1989 Mitglied im Neuen Forum
Publizistisch tätig seit 1991 zu den psychosozialen Prozessen der deutschen Vereinigung
Auswahl: „Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin“- Versuch über ostdeutsche Identitäten. Psychosozial, 2009
„Wut schlägt Scham: 1989 und die AfD“, Blätter für deutsche und internationale Politik 10/2019
“Heimat: ersehnt und umkämpft“, ebendort 11/2024
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Moderation
Vera Rüster
Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion
Anmeldung:
nicht erforderlich
Zertifizierung beantragt. Kostenfrei.
Ort:
Helgoländer Ufer 5,
10557 Berlin Tiergarten
Über Versuche, mit Sicherheit Unsicherheit herzustellen
„…und was soll ich jetzt machen?“ „…und was ist nun das Richtige?“ „…aber jetzt ist es zu spät.“ Solche Äußerungen von Analysepatient: innen gehören zu jenen Eindeutigkeitsformeln, denen ich meinen Vortrag widmen möchte. Sie suggerieren, dass es in einer Situation nur eine Möglichkeit des Verstehens und Handelns gibt und den einen richtigen Moment dafür. In meinem Vortrag werde ich den individuellen wie auch den gesellschaftlichen Strukturdynamiken solcher Situationsdeutungen nachgehen und sie mit Erklärungsmodellen aus der Philosophie, politischen Theorie, sowie der Kultur- und Gesellschaftstheorie verbinden. Typisierend möchte ich dabei verschiedene Grundmodelle herausarbeiten wie etwa: den richtigen Gedanken, die richtige Handlung, den richtigen Moment und das richtige Objekt. Paradoxerweise zeigt sich in diesem Streben nach etwas absolut Richtigem gerade auf etwas Falsches: die Perversion eines imperativen Strebens, das Sicherheit will und Unsicherheit schafft. Der dahinterliegende Anspruch auf absolute Sicherheit verleugnet Unsicherheit und Mehrdeutigkeit und führt zu einer falschen Vorstellung von Sicherheit und folglich einem Anwachsen von Unsicherheit. Es scheint, als ginge es darum, mit Sicherheit Unsicherheit zu erzeugen.
Dr. phil. Angelika Ebrecht-Laermann, Psychologische Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin (DPV/IPA/DGPT), niedergelassen in eigener Praxis in Berlin, Supervisorin und Lehranalytikerin am BPI (Karl-Abraham-Institut). Germanistin, promovierte Psychologin und habilitierte Politikwissenschaftlerin; langjährig tätig in universitärer Forschung und Lehre sowie als externe Psychotherapeutin im Berliner Strafvollzug und als Sachverständige Prognosegutachterin für Verkehrs- und Strafrecht. Mitglied im Editorial Board des International Journal of Psychoanalysis, ehemals Mitherausgeberin im Jahrbuch der Psychoanalyse, Veröffentlichungen zu Themen der klinischen Psychoanalyse sowie zur Sozialpsychologie und Kulturtheorie.
Moderation
Benedikt Salfeld
Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion
Anmeldung:
nicht erforderlich
Zertifizierung beantragt. Kostenfrei.
Ort:
Helgoländer Ufer 5,
10557 Berlin Tiergarten
Wie psychoanalytisches Verstehen hilfreich und wirksam ist in Politik und gesellschaftlichen Diskursen – und wie wir immer wieder hilfreich scheitern
Angesiedelt in aufgewühlten und aufwühlenden Zeiten soll in diesem Vortrag über die inneren Bewegungen nachgedacht und in „slow motion“/Zeitlupe beschrieben werden, wie wir komplexe gesellschaftliche und politische Situationen erleben und auf sie reagieren. Die Psychoanalyse mit ihrer Kernkompetenz der Beschreibung und Nutzung emotionaler Prozesse als Fundament des Verstehens von teilweise undurchsichtigen, teilweise schwer hinnehmbaren Prozessen bietet (Selbst-)Erkenntnis und Hinweise auf Psychodynamiken in Gruppen und im Subjekt. Und dann ist da noch die Sorge darum, dass wir womöglich trotz des Verstehens nicht wirksam werden können. Worin liegt also das Wirksamwerden?
Dr. Gisela Zemsch, Psychologische Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin (DPG, IPV, DGPT?). Dozentin, Supervisorin und Lehranalytikerin im Institut für Psychoanalyse (DPG) Nürnberg Regensburg, derzeit Leiterin der dortigen DPG-AG. Niedergelassen in eigener Praxis in Nürnberg. Von 2017 bis 2023 Leitung des IPV-AZ in der DPG. Seit 2011 Mitglied der AG „Marktplatz Psychoanalyse“, inzwischen AG „Psychoanalyse in der Gesellschaft“ Forschung zum Thema „Psychoanalytische Ausbildungssupervision“ und der Beziehung zwischen Supervisor: in und Supervisand: in in der institutionellen Ausbildung. Derzeit Forschungsprojekt zusammen mit B. Brosig (DPV): “Von der Graduierung zur aktiven Mitgliedschaft in DPG und DPV“. Letzte Veröffentlichung: Grünewald-Zemsch, G. (2021): Supervision in der psychoanalytischen Ausbildung nach Eitingon Geschichte – Kontroversen – Entwicklungslinien. in: Hermanns, L.M., Bouville, V., Wagner, C. (Hrsg.): Ein Jahrhundert psychoanalytische Ausbildung. Einblicke in internationale Entwicklungen. Gießen, Psychosozial-Verlag. S.153-172
Moderation
Cornelie von Essen
Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion
Anmeldung:
nicht erforderlich
Zertifizierung beantragt. Kostenfrei.
Ort:
Helgoländer Ufer 5,
10557 Berlin Tiergarten
Ein Südafrikanischer Künstler „in der Verteidigung der weniger guten Idee“
Der im Südafrika der Apartheid aufgewachsene Künstler William Kentridge sieht die Widersprüche der ihn umgebenden Welt Südafrikas „immer als die Position, aus der heraus meine Kunst entsteht. Eine Art tief im Prozess verankertes Bewusstsein meiner Selbst“. Kunst hat für ihn „eine wichtige polemische und politische Funktion, indem sie die Ungewissheit verteidigt, indem sie alle Formen von Gewissheit in Frage stellt, sei es in autoritärer Politik oder als Gewissheit eines Wissens“. In meinem Vortrag werde ich Einblicke in sein Werk geben, beispielsweise seine Adaption von Büchners Woyceck, die er in einem südafrikanischen Bergbaugebiet ansiedelt, und außerdem Gedanken aus seiner 2017 gehaltenen Sigmund Freud Vorlesung vorstellen, in der er unter dem Titel „In der Verteidigung der weniger guten Idee“ das Atelier des Künstlers mit dem „Raum der Psychoanalyse“ vergleicht – beides Räume, in die vielfältiges zunächst Ungeformtes und Unverbundenes einströmt und dort eine neue Form findet. Räume, in denen Verbindungen geschaffen und Bedeutungen generiert werden. Dabei geht es auch um das Nachdenken über die Idee, dass in diesen Räumen, dem Atelier und dem Raum der Psychoanalyse, das scheinbar „weniger Gute“ und „Wichtige“ eine zentrale Rolle als Katalysator für den künstlerischen bzw. psychoanalytischen Prozess spielt.
Vera Rüster, Psychologische Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin (DPG, IPV, DGPT), niedergelassen in freier Praxis in Berlin. Dozentin, Supervisorin und Lehranalytikerin am IPB Berlin. Ausbildung zur Kunsttherapeutin an der New York University. 2009 bis 2018 Mitglied des Übersetzerbeirates der „Internationalen Psychoanalyse“ (Übersetzungsband des „International Journals of Psychoanalysis“, der jährlich im Psychosozial Verlag erscheint). Interessensschwerpunkte: präverbale Welterfahrung und psychoanalytische Ansätze zum Verständnis von Kunst und ästhetischem Empfinden.
Moderation
Bettina Ganse
Art der Veranstaltung
Vortrag und Diskussion
Anmeldung:
nicht erforderlich
Zertifizierung beantragt. Kostenfrei.
Ort:
Helgoländer Ufer 5,
10557 Berlin Tiergarten